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Wasserstoff in der Prozesstechnik: Anlagenkomponenten für den Markthochlauf

Dr. Stefan Kurz20. Februar 20269 Minuten Lesezeit
Wasserstoff in der Prozesstechnik: Anlagenkomponenten für den Markthochlauf

Der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur stellt Anlagenplaner vor spezifische Herausforderungen: Wasserstoff diffundiert durch viele Materialien, versprödet Stähle und hat eine 14-fach höhere molekulare Diffusionsrate als Methan. Komponenten, die bisher für Erdgas oder Prozesskondensate ausgelegt wurden, müssen komplett neu qualifiziert werden.

Normen wie ISO 19880 (Tanken von Wasserstofffahrzeugen), ASME B31.12 (Hydrogen Piping and Pipelines) und der DVGW-Leitfaden G 468 definieren den Anforderungsrahmen. Für Betriebsdrücke bis 700 bar – wie in Hochdruckelektrolyseuren und Tankanlagen üblich – sind spezielle H₂-resistente Dichtstoffe auf PTFE/PEEK-Basis und Hochdruckarmaturen aus 316L mit geprüften Permeationsraten erforderlich.

Hersteller von Kreiselpumpen und Kolbenverdichtern berichten von Entwicklungszyklen von 18 bis 24 Monaten für H₂-taugliche Varianten. Engpässe entstehen bei mechanischen Gleitringdichtungen: Die niedrige Viskosität von flüssigem Wasserstoff (ca. 0,014 mPa·s bei −253 °C) erfordert nahezu nullspaltarme Dichtungsgeometrien, die nur wenige Spezialisten fertigen können.

Für die nächsten drei Jahre erwarten Marktanalysten einen jährlichen Bedarf von 2.800 bis 4.200 H₂-tauglichen Industriearmaturen in Deutschland allein. Anbieter, die heute in Qualifizierungsprogramme investieren, sichern sich einen strukturellen Wettbewerbsvorteil gegenüber Nachzüglern – denn die Zertifizierungszyklen lassen keine kurzfristige Aufholjagd zu.

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