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Pharmaindustrie 2026: Vollautomatisierte Bioprozesse auf dem Vormarsch

Dr. Petra Hoffmann3. April 20267 Minuten Lesezeit
Pharmaindustrie 2026: Vollautomatisierte Bioprozesse auf dem Vormarsch

Die pharmazeutische Industrie steht vor einem Paradigmenwechsel: Weg von klassischen Batch-Prozessen, hin zu vollständig kontinuierlichen Herstellungsverfahren. Anlagen in Leverkusen, Frankfurt und Mannheim melden Produktivitätssteigerungen von bis zu 40 Prozent gegenüber konventionellen Chargenverfahren – bei gleichzeitig reduzierten Lagerkosten und kürzeren Lieferzeiten.

Treiber dieser Entwicklung ist die Kombination aus leistungsfähigen Prozessanalytik-Tools (PAT) und maschinellen Lernalgorithmen, die Abweichungen in Echtzeit erkennen und ausregeln. Sensoren für pH-Wert, Temperatur, Gelöstsauerstoff und Trübung liefern Datenpunkte im Sekundentakt, die in digitalen Zwillingen verarbeitet werden. Dieser virtuelle Spiegel der realen Anlage ermöglicht vorausschauende Wartung und Optimierung, ohne laufende Prozesse zu unterbrechen.

Regulatorisch hat die FDA mit dem Process Analytical Technology Guidance Framework (2023-Update) den Weg für kontinuierliche Fertigung in der GMP-Umgebung geebnet. Die EMA folgte im Frühjahr 2025 mit angepassten Annex-15-Anforderungen. Für deutsche Hersteller bedeutet das: Validierungsaufwand bleibt hoch, aber das regulatorische Risiko ist kalkulierbar geworden. Projekte, die vor zwei Jahren noch an Behördenvorbehalten scheiterten, erhalten heute zügige Zulassungen.

Kritisch bleibt die Qualifikation des Fachpersonals. Prozessingenieure, die klassische Batch-Anlagen beherrschen, müssen sich in Regelungstechnik, Datenwissenschaft und kontinuierliche Chromatografie einarbeiten. Mehrere Hochschulen – darunter die TU München und das KIT – haben spezialisierte Weiterbildungsprogramme aufgelegt, um diesen Engpass zu mildern.

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