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Kollaborative Roboter in der Prozesstechnik: Einsatzfelder jenseits der Montage

Fachwelt Redaktion15. Januar 20265 Minuten Lesezeit
Kollaborative Roboter in der Prozesstechnik: Einsatzfelder jenseits der Montage

Während kollaborative Roboter in der Automobil- und Elektronikmontage längst Standard sind, beginnen sie erst jetzt, in der Prozess- und Chemieindustrie Fuß zu fassen. Der Grund für die Verzögerung: Ex-Schutz-Anforderungen (ATEX Zone 1 und 2), aggressive Medien und enge Zugänglichkeit stellen andere Anforderungen als saubere Montagehallen.

Pionieranwendungen zeigen, was heute machbar ist. Ein Cracker-Betreiber in Gelsenkirchen setzt einen ATEX-zertifizierten Cobot für tägliche Probennahmen ein. Das System fährt auf einer Schiene an 12 Probenahmeventile, entnimmt die vorgeschriebene Probemenge, verschließt das Ventil und übergibt den Probenbehälter automatisiert an das Labor-Fördersystem. Acht Stunden Arbeit pro Schicht werden so vollständig substituiert.

Für Ventil- und Instrumenteninspektionen nutzt eine Raffinerie im Rhein-Ruhr-Gebiet mobile Cobots auf fahrbaren Plattformen. Ausgestattet mit Infrarotkamera und akustischem Ultraschallsensor erkennen sie Leckagen und thermische Anomalien – zuverlässiger und schneller als manuelle Begehungen. Das Ergebnis nach sechs Monaten: 23 Prozent kürzere MTTR (Mean Time To Repair) durch frühzeitige Fehlererkennung.

Grenzen zeigen sich bei Aufgaben, die echte Kraft und Taktilität erfordern: Dichtungswechsel an Hochdruckleitungen, das Öffnen schwergängiger Handarmaturen oder Arbeiten mit schweren Anschlussflanschen bleiben dem Menschen vorbehalten. Auch die Kostenrechnung muss stimmen: Für Aufgaben mit weniger als täglicher Wiederholung amortisiert sich eine Cobot-Lösung selten in unter fünf Jahren.

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