Nachhaltigkeit

CO₂-Abscheidung in der Chemieindustrie: Von der Pflicht zur Wertschöpfung

Fachwelt Redaktion5. März 20266 Minuten Lesezeit
CO₂-Abscheidung in der Chemieindustrie: Von der Pflicht zur Wertschöpfung

Mit dem Absturz des EU-Emissionshandelspreises auf unter 50 Euro pro Tonne CO₂ in den Jahren 2022–2023 verlor Carbon Capture an Wirtschaftlichkeit. Doch 2025 und 2026 hat sich das Bild grundlegend gewandelt: ETS-Preise von 75 bis 90 Euro pro Tonne, kombinierte staatliche Förderinstrumente und neue Verwendungswege für abgeschiedenes CO₂ machen die Technologie zunehmend rentabel.

Drei Abscheideverfahren dominieren den Industrieeinsatz. Post-combustion-Capture mit chemischer Wäsche (MEA-Lösungen oder neuere Piperazin-basierte Absorber) ist die ausgereifteste Technologie und nachrüstbar. Pre-combustion-Capture eignet sich für wasserstoffbasierte Prozesse. Oxyfuel-Verfahren sind komplex, liefern aber CO₂-Konzentrate von über 95 Prozent Reinheit ohne aufwändige Trennschritte.

Neue Wertschöpfungsketten entstehen rund um abgeschiedenes CO₂: Einspeisung in Gewächshäuser für Gemüseanbau, Herstellung von synthetischen Kraftstoffen (e-Fuels), mineralische Karbonisierung für Baustoffe und – am wirtschaftlich attraktivsten – die Nutzung als Reaktant in der Methanol- und Dimethylether-Synthese. Einige Chemiestandorte planen CO₂-Hubs, in denen mehrere Produzenten ihre Ströme bündeln und gemeinsam vermarkten.

Kritisch ist die Komprimierung und der Transport: Flüssiges CO₂ bei −50 °C und 7 bar erfordert spezielle Pumpen, Isolierungen und Sicherheitskonzepte. Leckagedetektion mit IR-Spektroskopie und druckbasierter Integritätsüberwachung sind Pflichtbestandteile jeder Anlage. Normen wie ISO 27914 für geologische Speicherung und EN 1089 für Druckgefäße bilden die regulatorische Basis.

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