Brownfield-Digitalisierung: Wie Chemiewerke bestehende Anlagen nachrüsten
Neu bauen ist teuer, Stillstandzeiten sind teurer. Diese Kalkulation treibt Investitionen in Nachrüstlösungen für bestehende Chemie- und Petrochemieanlagen. Laut einer aktuellen VDMA-Studie entfallen 63 Prozent aller IIoT-Investitionen in der deutschen Chemieindustrie auf Brownfield-Projekte – Tendenz steigend.
Im Zentrum stehen batteriegespeiste Wireless-Hart- und IO-Link-Funk-Sensoren, die ohne Eingriff in die Leittechnik nachgerüstet werden. Ein Edge-Gateway verdichtet die Rohdaten und sendet vorkonditionierte Signale via OPC-UA in die Cloud oder ein lokales MES. Der gesamte Eingriff in den laufenden Betrieb beschränkt sich auf die Montagezeit – in der Regel ein Wochenendmaintenance-Fenster.
Kritische Erfolgsfaktoren sind die Kalibrierung und Validierung: Wireless-Sensoren liefern keine 100-Prozent-Signalverfügbarkeit. Messlücken müssen durch geeignete Interpolationsalgorithmen kompensiert werden. Regelkritische Messungen – Druckabsicherung, Füllstand mit Überfüllschutz – bleiben weiter kabelgebunden.
Die Kostenrechnung zeigt: Ein vollständig digitalisiertes Wärmetauscher-Bundle inklusive Sensor, Gateway und Cloud-Dashboard kostet etwa 12.000 Euro. Demgegenüber stehen prognostizierte Einsparungen durch reduzierte Inspektionskosten und verlängerte Reinigungsintervalle von 35.000 bis 50.000 Euro pro Jahr – eine Amortisationszeit von unter zwölf Monaten.
